Nicht selbst mastern!

Nicht selbst mastern!

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Nicht selbst mastern
Nicht selbst mastern!

Warum hört und liest man immer wieder, dass man die eigens erstellten Mixdowns nicht auch noch selbst mastern sollte? Warum geben selbst die erfahrensten Tontechniker Ihre Produktionen zum Mastering in die Hände eines anderen?

Folgender Artikel berichtet über Situationen aus dem Studioalltag und beinhaltet Antworten auf die erwähnten Fragen…


Einleitung

Vor Jahren lud mich ein sehr erfahrener Tontechniker zu einem Gespräch ein. Wir trafen uns in seinem Studio in Ritterhude. An der Wand in der Lounge hing eine goldene Schallplatte für „das schönste Tonstudio im Norden“. Ein Bekannter hatte diese für ihn anfertigen lassen. Es war in der Tat das schönste Studio, das ich je gesehen hatte.

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Zum damaligen Zeitpunkt war ich noch mit meinem Unternehmen Sound Mobil aktiv, wo wir Musik von Chören, Spielmannszügen, Schulen etc. direkt vor Ort aufgenommen hatten und dann im Studio abgemischt. Im Radio hörte besagter Altmeister davon und informierte sich zudem im Internet. Ihm gefiel die Innovation der Idee, was zu der Einladung in sein Studio führte und dem dortigen Gespräch über eine eventuelle Zusammenarbeit.

Als wir so ins Plaudern gerieten, fiel folgender Satz „wenn es schnell gehen muss, mastere ich auch schon mal selbst“.
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Diese Aussage verwunderte mich sehr. Ich hörte das zum ersten Mal – zumindest von einem Profi.

Weiter sagte er: „Als das Musikgeschäft noch besser lief, hatten wir teilweise so viel zu tun, dass wir ganze Alben binnen kurzer Zeit abgemischt und dann nachts noch schnell gemastert haben“. Während ich noch dachte „das kann doch nicht gut klingen“, fuhr er bereits fort „ich habe auch viel Scheiße produziert. Ich weiß auch selbst, dass es scheiße ist. Aber ist eben so gelaufen“.

Besagte „Scheiße“ spielte er mir dann auch vor. Es klang in der Tat nicht so gut wie andere seiner Produktionen – wenn auch nicht total schlecht.

Selbst die Altmeister geben Ihr Material zum Mastern ab!

Worauf ich hinaus will? Ja! Es gibt sicher waschechte Profis, die ihre Mixdowns auch mal selbst mastern. Aber die wissen dann auch, dass es eigentlich suboptimal ist. Aufgrund ihrer enormen Erfahrung entsteht halt dennoch ein passables Ergebnis.

Aber was ist, wenn eben diese Erfahrung fehlt oder zumindest nicht ausreichend vorhanden ist? Mit anderen Worten: Wenn es selbst bei absoluten Profis besser ist, wenn sie ihre Mixdowns zum Mastering an einen anderen abgeben – ist es dann nicht sogar absolut todsicher, dass Hobby-Tontechniker ihre Mixdowns erst Recht an einen externen Mastering-Engineer abgeben sollten?

Mein Outing

Ich habe auch schon selbst gemischtes Material eines Kunden noch selbst gemastert – aus einer Notsituation heraus. Ich hatte alles fertig abgemischt und dem Kunden eine Empfehlung ausgesprochen, wo er das Material mastern lassen kann – ein Studio in den USA, der Besitzer hatte sehr regelmäßig für mich gemastert. Der Kunde war einverstanden und ich schickte das Material daraufhin selbst ein.

Das Ergebnis erhielt ich ungewöhnlich schnell (bereits nach wenigen Tagen). Als ich mir dieses anhörte, wurde mir klar, warum es so schnell ging: Es klang grauenhaft. Ohne Rücksicht auf klangliche Verluste wurden die Songs scheinbar einfach nur laut geprügelt. Und es war extrem laut – wesentlich lauter als der aktuelle Standard.

Meine Verwunderung war nicht schlecht, da der entsprechende Mastering-Engineer bis dato stets gute Arbeit geleistet hatte. Ich teilte ihm meine Meinung mit und bat ihn, es nochmal zu probieren – mit weniger Lautheit und vor allem unter Beachtung der Tatsache, dass es nicht nur laut sein soll, sondern ruhig auch gut klingen darf.

Einen kurzen Tag später erhielt ich das überarbeitete Ergebnis: Die Lautheit lag nun weit unter dem Durchschnitt (als hätte man einem Koch gesagt, der Reis wäre zu salzig und hätte dann welchen vorgesetzt bekommen, der komplett salzfrei ist).

So bat ich also ein weiteres Mal um Überarbeitung, wobei das Ergebnis wiederum nicht lange auf sich warten ließ. (Generell wartet ein Mensch ja auch nicht gern lang auf eine Dienstleistung – aber wenn man das Master eines kompletten Albums noch abends am gleichen Tag erhält, sollte man schon skeptisch sein. Zurecht, wie sich herausstellte…).

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Die Lautheit entsprach dieses Mal sogar meinen Vorstellungen; der Klang wies jedoch wieder eindeutige Artefakte auf, die typischerweise beim Überkomprimieren eines Titels entstehen – und das obwohl der Song „lediglich durchschnittlich laut“ war.

Ein weiteres Mal wollte ich mir das dann nicht mehr antun.

Vor meinem Kunden stand ich nun natürlich blöd dar. Die Masterversionen hatte ich ihm nicht gezeigt – das wäre zu peinlich gewesen, da das Studio ja meine Empfehlung war. Die Lösung war dann eben: Ausnahmsweise mal selbst mastern!

Tipps wenn man doch selbst mastert!

Hier ist einfach wichtig: Viel Gegenhören! Immer wieder mit Profiproduktionen desselben Genres vergleichen! Den Titel auf jeder greifbaren Musikanlage hören! Und jeden nach der Meinung fragen! Da man selbst schon zu sehr an den Klang gewöhnt ist (bleibt nicht aus, wenn man selbst mischt und auch mastert) sind Hörvergleiche und die Meinungen anderer umso wichtiger! Selbst mangelhafter Klang kann für ein einzelnes Gehör „gut“ klingen, wenn es sich erstmal daran gewöhnt hat.

Lassen Sie andere Personen nicht nur Ihren fertig gemasterten Titel hören, sondern zeigen Sie ihnen auch eventuelle vorherige Masterversionen des Titels sowie eine Referenzproduktion. Ein Laie wird Ihnen dann wahrscheinlich nicht sagen können „in den oberen Mitten sind die Signale zu undifferenziert“, aber eine Antwort wie „dieses Master klingt am klarsten“ kann doch sehr wertvoll sein und wichtige Anhaltspunkte liefern, wo Sie mit Ihrer Produktion hin müssen.

Weiterer Tipp: Haben Sie ausreichend viel Zeit, so verlegen Sie die Mastering-Session möglichst weit nach hinten und hören Sie den zu masternden, fertig gemixten Titel bis dahin nicht mehr an!

Mastern ist was für „Master“

Ich weiß übrigens bis heute nicht, was bei meinem bis dato favorisierten Mastering-Studio schief gelaufen war – ob der Studiobesitzer sich auf alten Loorbeern ausruhen wollte oder der Praktikant vielleicht mal ran durfte… Ich weiß es nicht.

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Jedenfalls brauche ich wohl kaum zu erwähnen, dass ich dort nie wieder etwas habe mastern lassen.

In der Tontechnik ist Mastering die absolute Meisterdisziplin – also am besten auch nur Meister ran lassen!

Mehr zur generellen Vorgehensweise beim Mastering finden Sie in meinem Buch Praxis-Leitfaden MASTERING!

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David

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