Die 10 typischen Fehler beim Mastering (Teil 1)

Die 10 typischen Fehler beim Mastering (Teil 1)

Die 10 typischen Fehler beim Mastering (Teil 1)
10 Mastering Fehler
Unser großes „10 Fehler beim Mastering“ Spezial!

Ein guter Mastering-Engineer kann einen fundierten Mix reichlich veredeln und sogar noch einiges an Schwächen ausmerzen. Umgekehrt können aber auch gewisse Fehler beim Mastering eine gut abgemischte Produktion völlig zerstören.

In diesem Artikel finden Sie die ersten 5 typischen Fehler beim Mastering, die Sie unbedingt vermeiden sollten!


1. Selbst mastern

Dieser Problematik habe ich einen eigenen Artikel gewidmet. Ziehen Sie in jedem Falle in Erwägung, selbst abgemischtes Material extern mastern zu lassen. Man kann zwar selbst mastern, jedoch erfordert dies sehr viel Erfahrung und selbst dann wird das Ergebnis vermutlich schlechter als wenn ein anderer, erfahrener Engineer gemastert hätte.

Möchten Sie das Mastering dennoch selbst in die Hand nehmen, so verlegen Sie die Mastering-Session, wenn möglich, weit nach hinten, damit Sie Abstand zum Material gewinnen und dann objektiver rangehen können. In der Zwischenzeit hören Sie sich das zu masternde Material natürlich nicht an.

audio-wissen-mastering

Beim Mastering selbst gilt was auch schon im oben verlinkten Artikel geschrieben wurde: Immer wieder mit Profiproduktionen desselben Genres vergleichen! Den Titel auf jeder greifbaren Musikanlage hören! Und jeden nach der Meinung fragen! Je stärker Sie an das Material gewöhnt sind, umso wichtiger sind Klangvergleiche mit anderen Produktionen sowie das Einholen zusätzlicher Meinungen.

2. Kein Blick für das große Ganze

Gerade Einsteiger erhoffen sich oft ein druckvolles Master allein dadurch zu erzielen, indem Sie z.B. den Bassbereich jeder Produktion ohne Ende aufdrehen oder versuchen mit Vitalizer/Exciter einen extrem präsenten Klang zu schaffen.

Gern wird das Resultat dann von Laien noch mit Sätzen wie „echt fetter Bass“ bestätigt.

Hier wäre das Einholen der Meinung eines erfahrenen Engineers hilfreicher. Denn ein solcher weiß, dass überspitzte Höhen, gerade auf Dauer, lediglich stechend und ermüdend wirken, während ein zu starker Bass erstens die insgesamt erzielbare Lautheit minimiert (wenn nur der Bass laut ist und somit vorzeitig ins Clipping fährt, kann keine allgemeine Lautheit der Produktion mehr erzielt werden) sowie zweitens die Kompatibilität mit kleineren Lautsprechern verringert – diese können Signale erst ab ca. 100 Hz wiedergeben.

Vor allem sollte ein erfahrener Tontechniker aber wissen, dass nicht einzelne Signale oder Frequenzen an sich entscheidend sind, sondern das große Ganze. Es sollen nicht einzelne Bestandteile einer Produktion extrem gepusht, sondern ein insgesammt stimmiger Klang generiert werden. Nicht jeder Song sollte für sich endlos druckvoll klingen, sondern lediglich einzelne Titel auf dem Album. Andere Songs, wie Balladen, dürfen – und sollen – subtiler klingen. Nur so kann Dynamik entstehen.

Hier hilft wiederum der Vergleich mit Profiproduktionen – haben Sie z.B. Fragen bezüglich der Frequenzverhältnisse (Bassbereich leiser oder lauter? Höhen zu spitz und laut?), so passen Sie diese im Zweifelsfalle dem Frequenzbild der Referenz an!

3. Brutale Lautheit

Sie haben meinen Artikel über den Lautheitskrieg gelesen? Beim Thema Komprimieren gehen die Meinungen sehr auseinander. Einige verteufeln den Kompressor generell, er stellt für sie das „böse Unnatürliche“ dar. Das Motto: Je weniger Kompression, desto besser.

Andere wiederum (meist übrigens die, die auch den Bass endlos laut haben wollen) übertreiben es mit der Lautheit und zerstören durch zu starke Kompression die Dynamik ihrer Titel.

Ich denke, das Optimum liegt, wie so oft, irgendwo dazwischen. Beim Thema Lautheit gilt es vor allem den Unterschied zwischen „brutal lautgepresst“ und „laut“ zu erkennen. Das sagt sich mal eben schnell daher – ist für Sie als Tonmann jedoch absolut essenziell! Ehrlich: Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, der Profi vom Amateur!

Browne Raumakustik Module

Letzten Endes müssen Sie den Unterschied zwar selbst spüren und raushören – aber ich will es dennoch mal mit Worten ausdrücken: Laut bedeutet voll, rund und angenehm – brutal lautgepresst dagegen heißt harsch und ohrenbetäubend. Selbst wenn Sie eine hohe Lautheit wünschen, darf es nicht bloß darum gehen, stumpf jedes Mittel zu nutzen, um irgendwie noch ein bisschen Pegel zu bekommen. Besteht gar keine Dynamik mehr, kann es auch nicht laut klingen. Im Gegesantz zu „was“ soll es denn laut klingen? Es ist ja alles bis zum Anschlag laut, der Kontrast ist weg.

Entscheidend ist viel mehr, wie Sie diese Lautheit erzielen. Oder, wie Altmeister Bob Katz sagte: „Es kommt nicht darauf an, wie laut Sie es machen, sondern wie Sie es laut machen“.

Mein Tipp für die Praxis: Angenehme Lautheit wird nicht mit einem einzelnen Effekt generiert, sondern auf möglichst vielen Ebenen. Sprich: Lieber in mehreren, kleinen Schritten lauter machen, als in einem einzigen extrem stark. Umso weniger kann man dann auch falsch machen!

Mögliche Wege für mehr Lautheit:

  • Optimale Aussteuerung bei der Aufname
  • Einzelsignalbearbeitungen wie Kompression und auch EQing beim Mixing
  • Beim Mastering der Multiband-Kompressor, Bandsättigung, Equalizer und – für die finale Dosis, nicht als alleiniges Lautheitsmittel – noch etwas Maximizing/Limiting.

Falsche Wege:

  • Alles laut machen
  • Bässe und Höhen zu laut drehen
  • hartes Clipping; digitale Verzerrungen durch Pegelspitzen über 0 dB – praktisch jedes digitale Gerät, das in irgendeiner Form die Lautstärke misst, zeigt in Form einer dann rot aufleuchtenden Diode an, wenn die Lautstärke über 0 dB ist und nun Verzerrungen vorhanden sind – das sollte nicht passieren!
  • Loudness-Maximizer zu sehr beanspruchen
  • zuviel Kompression auf der Summe oder einzelnen Signalgruppen (tendenziell auf der Summe lieber Multiband-Kompression bzw. etwas mehr Einzelsignal-Kompression im Mix)

4. Zu wenig Lautheit
Browne Diffusor Raumakustik

Natürlich trifft man häufig auch das umgekehrte Problem an: Eine Produktion mit zu hoher Dynamik wirkt nicht präsent und druckvoll genug. Vor allem neben aktuellen Profiproduktionen wirkt sie schlaff und kraftlos.

Woran erkennen Sie am besten, dass die Dynamik zu hoch ist? Neben dem fehlenden Druck ist der beste Indikator jener, dass einzelne Signalanteile im Hintergrund verloren scheinen, während bei Produktionen mit optimaler Dynamik sich alles mehr oder weniger vorne auf einer präsenten Ebene abspielt (siehe Profiproduktionen).

Mögliche Wege zu mehr Lautheit wurden ja oben bereits aufgezeigt…

5. Mangelnde Liebe zum Detail

Der Weg beim Mastering ist, Perfektion walten zu lassen, ohne den Blick für das große Ganze zu verlieren. Beim Mixing werden die Grundpfeiler gesetzt, der Song auf ein generell funktionierendes Niveau gebracht; beim Mastering wird perfektioniert und veredelt!

Wer nicht der Typ dafür ist, sich beim EQing zig mal zu fragen, ob man die Frequenz lieber um 1,5 dB absenken sollte oder um 1,2 dB, ist vielleicht auch nicht der beste Mastering-Engineer.

Beachten Sie die Details und seien Sie sich nicht zu schade dafür, nach abgeschlossener Arbeit noch ein, zwei Wochen zu investieren, um das Master ausgiebig auf diversen Abhören zu prüfen und ggf. nochmal nachzubessern – allein schon aus dem Grund, weil Sie die entsprechende Produktion sonst niemals vollends genießen können, sondern beim Hören immer denken „ach hätte ich da bloß noch dies und das geändert“.

audio-wissen-mastering

Übungen, wie Sie Ihr Gehör schulen und selbst kleinste Details mit der Zeit heraushören, finden Sie im Praxis-Leitfaden MASTERING.


Fazit

Sie kennen nun die ersten 5 typischen Fehler beim Mastering und wissen, wie Sie diese vermeiden!

Hier geht’s zum zweiten Teil! JETZT WEITERLESEN!

David

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.