Equipment-Check Audio-Interface

Equipment-Check Audio-Interface

Equipment-Check Audio-Interface
Audio-Interface
In unserer Equipment-Check Reihe durchleuchten wir die wichtigsten Komponenten des modernen Digitalstudios

…oder auch Sound-Karte/Recording-Karte; Hiermit starte ich eine Artikel-Reihe, bei der die grundlegenden Elemente des modernen Digitalstudios durchleuchtet werden.

Das, neben dem Computer mit Sequenzerprogramm, wichtigste Kernstück eines solchen ist das Audio-Interface oder auch – altmodisch und schlicht ausgedrückt – die Soundkarte.

Ziel dieses Artikels ist weniger eine Informationsflut als vielmehr eine Übersicht, was ein Audio-Interface so alles kann und wo es grundsätzlich Unterschiede zwischen den einzelnen Geräten geben kann.

Auch schauen wir uns einige Geräte im Speziellen an.


Was denn nun? Sound-Karte, Recording-Karte, Audio-Interface oder DSP-Interface?

Manch einer (auch ich) verwendet die Begriffe schon mal willkürlich, letzten Endes kann man jedoch tatsächlich Abgrenzungen sehen. Ich erkläre es mal aus dem Verlauf meiner persönlichen Geschichte heraus: Zur Anfangszeit meines musikalischen Schaffens hatte ich mir gewünscht, dass die bereits feststehende instrumentale Grundlage eventuell doch über Kopfhörer zu hören wäre, während man den Gesang dazu aufnimmt. Die Intention war jene, dass es vermutlich nicht schaden würde, wenn man die Musik (sprich auch den TAKT) hört, statt sich nur nach dem visuellen Taktblinker der Software zu richten (ja, ja, aller Anfang ist schwer…).

Browne Raumakustik Module

Jedenfalls flüsterte man mir, ich bräuchte eine bessere Soundkarte (AHA! …Erster Begriff). Also ging ich in den örtlichen Saturn Hansa (damals ging man noch in Elektronik-Geschäfte, wenn man elektronische Geräte brauchte) und informierte mich über die „besseren“ Soundkarten. Als ich erzählte, wofür ich sie genau brauchte, war sich der Verkäufer aber nicht mehr sicher, ob die angebotenen Soundkarten dafür ausreichend wären.

Ich bräuchte wohl eine Soundkarte, die Musik wiedergeben und simultan aufnehmen kann, eine sogenannte „Recording-Karte“ (AHA! …Zweiter Begriff!) Also schickte er mich zu einem Laden namens „Hoins“ (damals gab es noch ein physikalisches Ladengeschäft für technisches Musik-Equipment in, der Großstadt, Bremen).

Zeitgleich war ich übrigens auf der Suche nach einer professionelleren Software als dem damals verwendeten eJay (gibt es das Programm eigentlich noch?). Ich ging also in den Laden und erkundigte mich nach beidem. Beides war vorrätig und wurde von mir gekauft (damals hat man Geräte direkt vor Ort im Laden gekauft, statt sich im Laden zu informieren und es dann im Internet zu bestellen).

Mir wurde jedoch mitgeteilt, dass das erworbene Cubasis (so hieß damals die Einstiegsversion von Cubase) lediglich eine Art leeres Wohnzimmer wäre, dass ich noch mit Möbeln (heute glaube ich, dass damit Plug-Ins gemeint waren) einrichten müsste. Außerdem erfuhr ich, dass eine Midi-Datei keine Musik enthält, sondern lediglich Steuerbefehle (HÄ!?).

In der unteren Etagen wollten ich und mein Cousin, der mitgekommen war, dann noch ein Kabel kaufen. Uns wurden zwei gezeigt, das „normale“ und das mit der vergoldeten Anschluss-Buchse, welches als besser angepriesen wurde, woraufhin mein Cousin fragte, ob es denn später mal „was Wert“ sein würde. Ich weiß noch, dass ich mich bei dem daraufhin sehr verdutzten Anblick des Mitarbeiters schämte, mag aber bis heute nicht glauben, dass mein Cousin die Frage Ernst meinte – obwohl ich ihn im Anschluss an die Szene extra noch gefragt hatte und er es bestätigte…

audio-wissen-mixing

Aber genug abgewichen… Jedenfalls hatte ich nun eine Recording-Karte, mit der ich Musik simultan wiedergeben und aufnehmen konnte!

Aufgaben der Recording-/Sound-Karte

Recording-Karten werden in den Rechner eingebaut, wozu der PCI- (ältere Rechner) oder PCI-Express-Steckplatz (neuere Rechner) dient. Die Recording-Karte verfügt über mehrere Anschlüsse für Monitorboxen und Co., welche dann hinten am Rechner zu finden sind.

EMU-0404 Express Sound-Karte
Ein alter Standard im Homestudio: die EMU-0404, hier in der PCI-Express Variante. Die Karte wird im Rechner verbaut, was im Übrigen nicht sonderlich schwierig ist, sondern leicht anhand einer entsprechenden Anleitung im Internet selbst zu bewerkstelligen. Die sogenannten Kabelpeitschen mit den einzelnen Anschlüssen stehen dann hinten am Rechner raus.

Aufgabe einer Recording-Karte ist generell, neben der Audio-Wiedergabe (mit geringer Latenz, sprich nur geringer zeitlicher Verzögerung zwischen Betätigen des Play-Buttons und der tatsächlichen Klangausgabe), vor allem die Umwandlung eingehender Analog-Signale in das vom Computer lesbare Digitalformat. Hierzu dient der sogenannte AD-Wandler, sprich der Analog-zu-Digital-Wandler.

Beispiel Gesangsaufnahme: Mikrofon wird an die Recording-Karte angeschlossen (der Einfachheit halber lasse ich den Mikrofonvorverstärker jetzt mal ausgeklammert). Sänger singt ins Mikrofon, dieses nimmt die Schwingungen in analoger Form auf. Da der Computer aber nur Einsen und Nullen kennt, muss die Soundkarte das analoge Mikrofonsignal erstmal digitalisieren, sprich aus den einstigen Schwingungen Einsen und Nullen machen, damit der Rechner was damit anfangen kann.

Hier besteht nun eines der wichtigen Qualitätsmerkmale einer Sound-Karte/Audio-Interface: Schlechte Geräte haben schlechte AD-Wandler, die also das analoge Signal stets mit Qualitätseinbußen bzw. Klangveränderungen umwandeln.

Generell kann man sagen, das günstige Geräte bis etwa 500 EUR zum Teil hörbar schlechte Wandler haben, während Geräte ab 1.000 EUR alle über gute Wandler verfügen. Wer hier noch von Qualitätsunterschieden der einzelnen High-End-Geräte spricht, vermutet die Qualität einer Produktion an falscher Stelle. Andere (musikalische) Faktoren sind wesentlich wichtiger.

Natürlich müssen die Einsen und Nullen irgendwann auch wieder hörbar gemacht werden, wozu sie am Ausgang der Soundkarte, wo die Abhörmonitore angeschlossen werden, vom digitalen Format wieder ins (hörbare) analoge umgewandelt werden. Deswegen spricht man letztlich von AD/DA-Wandlern.

Browne Raumakustik Module

Was macht ein Audio-Interface aus?

Als ich das nächste mal (einige Jahre später) in eine neue Recording-Karte investieren wollte, wurden die auf einmal nicht mehr in den Computer eingebaut, sondern hatten Knöpfe und wurden auf dem Arbeitstisch positioniert. Außerdem wollten sie nun Audio-Interface genannt werden (AHA! …Dritter Begriff!). Angeschlossen wurden sie meist per USB oder FireWire. Vielleicht gab es sie in der Form auch schon vorher, jedoch war das damals so meine Sicht der Dinge.

Auf einem Seminar erfuhr ich vom MindPrint T.R.I.O. Dieses Gerät war ursprünglich in einem mittelhohen Preisbereich angesiedelt, auch der Klang und die Qualität waren dementsprechend. Da aber, warum auch immer, keiner die Dinger wollte, entschloss der Hersteller sich irgendwann zum Ausverkauf, und zwar zum absoluten Schleuderpreis von ca. 180 EUR. Auf einmal wollte sie jeder – auch ich.

Mindprint TRIO USB
Zu sehen ist die Front des Mindprint TRIO USB; Audio-Interfaces werden nicht mehr unbedingt im Rechner verbaut und bieten, je nach Ausstattung, oftmals eine vollständig ausreichende und bequeme Lösung im Projekt- und Homestudio. Gute Audio-Interfaces zeichnen sich durch ordentliche AD/DA-Wandler, eine intuitive Bedienoberfläche, ausreichend Eingangskanäle (zur simultanen Aufnahme mehrerer Mikrofone/Instrumente) und Anschlussmöglichkeiten (für z.B. Kopfhörer, Monitore, Midi-Geräte), sowie sinnvolle Features (wie z.B. Mikrofonvorverstärker, Effekte und Monitormatrix), welche ansonsten noch in Form externer Geräte angeschafft werden müssten.
Mindprint TRIO USB Anschlüsse
Die Anschlüsse sogenannter „Desktop-Geräte“ (die eben üblicherweise auf dem Arbeitstisch positioniert werden) finden sich meist hinten am Gerät.

Man konnte hier für geringes Geld klangtechnisch ins obere Mittelfeld einsteigen. Beeindruckend war aber vor allem die Vielseitigkeit des Interfaces: Auf dem Gerät fand sich der Schriftzug „TOTAL RECORDING SOLUTION“. Dies ist sehr treffend: Das Gerät verfügt über einen 48 V Mikrofonvorverstärker [es wird kein externer mehr benötigt, (Großmembran-)Mikro kann unmittelbar angeschlossen werden], einen Channel Strip mit Effekten zur Bearbeitung dieses (Mikrofon-)kanals, eingebautes Talkback-Mikro zur Verständigung mit dem aufnehmenden Musiker (nur auf den Kopfhörern zu hören), zwei separat regelbare Kopfhöreranschlüsse (z.B. einer für den Tontechniker in der Regie, der andere für den Musiker, der gerade aufnimmt), sowie eine Monitormatrix, die den Anschluss und die separate Lautstärkeregelung von, sage und schreibe, drei Monitorboxpaaren bietet.

All-in-One-Lösungen

Bei der Vielzahl an Features einiger Audio-Interfaces kann man durchaus von „All-in-One-Studiolösungen“ sprechen (ohje, vierter Begriff), wobei die Grenze hier fließend ist. Die genaue Ausstattung der einzelnen Audio-Interfaces kann eben sehr unterschiedlich ausfallen.

audio-wissen

Und was ist mit dem DSP-Interface?

Universal Audio Apollo Quad
Universal Audio, berüchtigt für erstklassige DSP-Effekte, stellte zunächst reine DSP-Prozessoren her, die also „nur“ zur Berechnung von integrierten Effekten dienten. Inzwischen bieten sie auch DSP-Interfaces, sprich Audio-Interfaces, die zum Inhalt eben unter anderem jene DSP-Prozessoren haben, durch die die Firma sich einst ihren Namen gemacht hatte. Meist lassen sich die Effekte von DSP-Geräten übrigens anhand einer mitgelieferten Zusatz-Software individuell auf die einzelnen Kanäle zuweisen, so auch beim Universal Audio Apollo.

Stimmt, fünfter Begriff! DSP-Interfaces sind Audio-Interfaces, die über integrierte Effekte verfügen, die eben NICHT vom Computer berechnet werden, sondern direkt im sogenannten DSP-Prozessor des Interfaces. Somit werden Leistungsressourcen des Computers gespart. Weiterer Vorteil: Die Effekte werden praktisch ohne jede Latenz, sprich ohne zeitliche Verzögerung, wiedergegeben.

Warum das so toll ist? Beispiel: Möchte man dem Sänger einen sogenannten „Wohlfühl-Hall“ bereits während seiner Aufnahme auf den Kopfhörer mischen (also er hört den Hall auf seiner Stimme schon beim Aufnehmen), so kann es problematisch ausfallen, wenn dieser Effekt vom Computer erzeugt wird. Wieso? Nun, das Mikrofonsignal muss zunächst die Strecke vom Audio-Interface zum Computer zurücklegen. Da wird der Effekt dann berechnet und dem Gesang beigemischt. Nun muss das verhallte Signal aber erstmal wieder zum Audio-Interface und letztlich zum Kopfhörer des Sängers zurückgelangen. Das Ganze führt letztlich zu einer so hohen Latenz, dass der Hall nicht mehr als Wohlfühl-Hall bezeichnet werden kann, sondern lediglich verwirrt, da er nun völlig verspätet einsetzt.

Ein DSP-Effekt dagegen wird direkt im Audio-Interface erzeugt und muss nicht erst diese enormen Strecken zurücklegen, sprich er ist für den Sänger ohne nennenswerte zeitliche Verzögerung hörbar.


Fazit

Browne Bassfalle RaumakustikRecording-Karten/Audio-Interfaces haben allesamt gemeinsam, dass sie zur AD/DA-Wandlung dienen und Anschlüsse für Audiogeräte bieten. Sie stellen für den Computer (mit Sequenzersoftware) letztendlich die Verbindung zur Audiowelt dar – hier werden Musikinstrumente angeschlossen, Einsen und Nullen zu hörbaren Schallwellen gemacht, usw! Erst durch das Audio-Interface wird das Bürotool namens Computer zu einer DAW (Digital-Audio-Workstation). Neben Anschlussmöglichkeiten und der AD/DA-Wandlung können die weiteren Features eines Audio-Interfaces unterschiedlich umfangreich sein, bis hin zur All-in-One-Lösung.

Sehen Sie sich hier eine Top 10 der besten Audio-Interfaces an!

David