Equipment-Check Studio-Monitore (Teil 1)

Equipment-Check Studio-Monitore (Teil 1)

Studio Monitore
Heute geht es im Equipment-Check um Studio-Monitore

Heute geht es bei unserem Equipment-Check um die Studio Monitore.

Was sind Studio-Monitore? Was unterscheidet sie von normalen Boxen? Welche Qualitätsmerkmale gibt es? Was unterscheid aktive und passive Monitore? Was ist besser: Fernfeld- und Nahfeld-Monitoring? Diese und weitere Fragen werden im ersten Teil beantwortet…


Begriff „Monitor“

Zunächst wichtig zu wissen: Die Monitore, von denen wir hier sprechen, sind keine Bildschirme, sondern spezielle Abhörboxen für Tontechniker.

Aufbau eines Monitors

Monitore sind generell genauso aufgebaut wie normale Boxen. Das heißt, es gibt ein vertikales Gehäuse, das vorne einen Tief- und einen Hochtöner besitzt. Der Tieftöner (Woofer), der deutlich größere von beiden, befindet sich unten und gibt nur Bässe und untere Mitten aus. Der Hochtöner (Tweeter), der in der Regel kaum größer als 2cm ist, befindet sich oben. Er gibt die oberen Mitten und Höhen aus.

Es gibt auch Drei-Weg-Modelle, wo die Klangwiedergabe auf drei Chassis aufgeteilt ist, Tief-, Mittel- und Hochtöner. Jene Modelle sind eher im Fernfeld-Monitoring anzutreffen.

Unterschied Monitor vs. HiFi Box

Monitore unterscheiden sich von den normalen HiFi-Boxen dadurch, dass sie keinen „guten“, verschönernden Klang ausgeben sollen, sondern einen möglichst neutralen.

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Während der Konsument will, dass die Boxen seiner Stereoanlage im Wohnzimmer einfach nur geil klingen, z.B. ordentlich Bass haben und Druck machen, möchte der Tontechniker beim Abmischen, dass die Produktion äußerst präzise und genau wiedergegeben wird. Die Monitore sollen dem Klang nichts hinzufügen – etwa mehr Bass, wie es praktisch jede HiFi-Box tut. Denn dann weiß der Tontechniker nicht mehr, wie viel Bass er nun wirklich in der Produktion hat, weil ein gewisser Anteil lediglich von den Boxen dazu generiert wird.

Monitore sollen den Klang also in keiner Weise verfälschen. Gehen wir das Ganze mal im Einzelnen durch…

Frequenzgang

Frequenzgang Monitor Box
Vergleich des Frequenzgangs eines Monitors (obere Kurve) mit dem einer HiFi-Box. Der Monitor ist ab 60 Hz aufwärts recht linear, während die HiFi Box gerade im Bassbereich ziemlich sprunghaft ist. Die fehlenden Subbässe des Monitors sind auf die physikalische Größe zurückzuführen, welche hier bei etwa 5 Zoll liegt. Dazu unten mehr.

HiFi-Boxen fügen, wie gesagt, für gewöhnlich zusätzlichen Bass hinzu. Das Gleiche gilt für die Höhen. Hierdurch entsteht für unser Gehör letztlich eine erhöhte Lautheit. Es klingt satter und besser!

Bei den Monitoren wollen wir das nicht. Das erste Qualitätsmerkmal einer Monitor-Box ist demnach: ein möglichst linearer Frequenzgang!

Nur bei linearer, sprich unveränderter, Ausgabe der Frequenzen einer Produktion erfolgt, kann auch eine neutrale Beurteilung gewährleistet werden!

Hierzu könnte man nun die Frequenzkurven der einzelnen Monitore miteinander vergleichen und schauen, wo die Frequenzkurve linearer ist. Das Problem ist nur: Die meisten sind leicht optimiert (um nicht „leicht gefälscht“ zu sagen)!

Yamaha HS7 Monitore
Die Yamaha HS7 sind ein gerade im Homerecording sehr beliebtes Modell. Sie weisen ein äußerst ausgeglichenes Verhältnis zwischen Tiefen, Mitten und Höhen auf.

Bei einem Monitor-Neukauf sollte zwar trotzdem mal auf die Frequenzkurve geblickt werden, jedoch ist der Hörtest entscheidender.

Zum Vergleich sehen Sie auf der Abbildung den Frequenzgang einer Monitor Box und den einer Konsum üblichen HiFi-Box. Im Vergleich weist die Monitorbox einen recht linearen Frequenzverlauf auf. Zwar mag die HiFi-Box, subjektiv betrachtet, besser klingen, jedoch lässt sie kein neutrales Urteil über den Mix zu – sie verschönert den Klang eher als das sie ihn neutral wiedergibt.

Klarheit

Das nächste Qualitätsmerkmal eines Monitors ist einfach die präzise und klare Wiedergabe! Gerade die Bässe und unteren Mitten von HiFi-Boxen klingen oft sehr wummrig und verschwommen. Die Produktion pumpt zwar ordentlich, die Signale sind im Einzelnen jedoch eher grob umrissen, statt wirklich präzise abgebildet.

Bei (guten) Monitoren ist es anders: Jedes Signal lässt sich genau erkennen und wird in all seinen Details exakt wiedergespiegelt! Der Tontechniker erhält ein klares Bild von jedem einzelnen Element seiner Produktion und hat so die Möglichkeit, gezielte Eingriffe, eben zum Zwecke der Klangoptimierung, vorzunehmen.

Dynamik

Bei HiFi-Boxen wirkt alles etwas ankomprimiert und verdichtet, der Sound wird – eben zu Zwecken des Wohlklangs – kompakter gemacht und druckvoll. Für das Hören von Musik ist das gut, für die objektive Beurteilung nicht! Während bei HiFi-Boxen alles zu einem kompakten „Klanghaufen“ verdichtet wird, besteht bei Monitoren einfach noch etwas Luft im Mix.

Browne Raumakustik Module

Besonders schwierige Angelegenheit: Einen Kompressor richtig einstellen, wenn durch die Boxen eh schon eine Art „Vorkompression“ besteht.

Stereobild

Gute Monitore zeichnen sich desweiteren durch ein breites und präzises Stereobild aus. Einige Monitore, wie etwa die JBL LSR 305/308, haben ein extra breites Stereobild, was zum Teil wiederum auch Geschmackssache ist. Zu „schmal“ sollte es jedoch nicht klingen.

Tiefenstaffelung

Auch in der Tiefe sollte eine gewisse Staffelung erkennbar sein. Es sollte nicht alles auf einer Ebene stattfinden, sondern leisere Signale (mit ggf. mehr Hall) sollten auch so klingen, als ob sie weiter von Ihnen entfernt wären.

Größe und Bass-Anteil

JBL LSR 305 Monitore
Die JBL LSR 305 sind, Größen bedingt (5 Zoll), zwar nach unten hin beschnitten, klingen aber trotzdem relativ bassreich, einfach weil die darüber liegenden Bass-Frequenzen dafür ordentlich wiedergegeben werden

Die Wiedergabe der Subbässe ist bei kleinen Boxen aus physikalischen Gründen beschränkt. Heißt: Je kleiner der Tieftöner, desto geringer ist das Frequenzspektrum nach unten hin.

Beispiel: Damit das Frequenzspektrum ab ca. 50 Hz abgebildet wird, muss der Tieftöner (Woofer) einen Durchmesser von etwa 5 Zoll haben. Das sehe ich als das absolute Minimum. Bei noch kleineren Monitoren können Sie den Subbass-Bereich gar nicht beurteilen – einfach weil er überhaupt nicht wiedergegeben wird!

Was das aber nicht bedeutet: Eine große Monitor-Box ist nicht automatisch besser als eine kleine. Die Aufwertung des Klangs, die eine 7 Zoll Box gegenüber 5 Zoll mit sich bringt, bezieht sich zunächst lediglich auf die dadurch erfolgende Subbass-Wiedergabe. Die anderen Punkte bleiben unbetroffen, sprich die Box klingt weder zwingend klarer, weder in der Tiefe präziser, weder breiter, usw.

Browne Breitband Absorber RaumakustikViele Hersteller nutzen die Bereitwilligkeit der Kunden, für größere Boxen mehr Geld zu zahlen, ein wenig aus. Sie bauen Modellreihen mit einem günstigen, kleinen (in der Regel 5 Zoll) Monitor als Lock-Vogel-Angebot. Die gleiche Modellreihe bietet dann noch ein bis zwei baugleiche Modelle, die lediglich größer sind, sonst aber identisch.

Natürlich müssen diese Boxen teurer sein (sie sind ja auch in der Herstellung/Logistik teurer) und marketingtechnisch ist das auch legitim, jeder muss sich ja vermarkten. Ich möchte nur generell darauf hinweisen, damit Sie als Verbraucher dann selbst entscheiden können, ob sich für Sie persönlich die Investition in einen größeren Monitor, lediglich aufgrund der zusätzlichen 5 bis 15 Hz, lohnt. Das kann der Fall sein, muss aber nicht.

Nahfeld- und Fernfeld-Monitoring

Hiermit ist nichts anderes gemeint als der Abstand zwischen Hörer und Boxen. Beim Nahfeld-Monitoring beträgt der Abstand oft etwa 1 Meter, beim Fernfeld-Monitoring sind es mehrere Meter. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile.

Früher war ich der Meinung, dass das Fernfeld-Monitoring der letztendlichen Hörsituation beim Konsumenten näher kommt. Inzwischen sehe ich das anders. Generell gilt: Sie mischen Ihre Produktionen ja in der Regel nicht zum Hören im Studio, sondern optimiert auf die Bedarfe des Konsumenten. Früher saß dieser meist auf der Couch und wurde von seiner Stereoanlage, aus einigen Metern Entfernung, beschallt. Somit entsprach die Hörsituation des Konsumenten eher dem Fernfeld-Monitoring, weswegen ich diese Variante auch im Studio als vorteilhaft erachtete.

Heute denke ich, ist die Anzahl der Konsumenten, die ihre Musik auf der Stereoanlage hören, gleichauf mit jener, die Musik praktisch nur noch über ihren Computer hören (von iPhone usw. mal abgesehen). Die direkte Beschallung am Computertisch entspricht natürlich dem Nahfeld-Monitoring!

Somit sehe ich den Punkt hier nicht mehr auf Seite des Fernfeld-Monitorings, sondern mindestens unentschieden.

Beim Fernfeld-Monitoring ergeben sich eventuell noch drei Probleme, vor allem im Homerecording.

1. Raumakustik: Durch den hohen Abstand zu den Boxen fließt diese verstärkt in den Klang mit ein. Es gilt: Je höher der Abstand, desto lauter der Raumanteil. Ist der Raum behandelt und die Raumakustik gut, ist das natürlich kein Problem. Klingt der Raum aber nicht gut – ist z.B. die Hallzeit zu lang oder wird der Schall zwischen zwei kahlen, parallelen Wänden hin und her geworfen (Flatterecho) – dann wird der Klang drastisch verschlechtert und eventuell sogar nicht mehr wirklich beurteilbar.

2. Platzmangel: Oft mangelt es dem Heimstudio-Betreiber am nötigen Raum um bspw. einen Abstand von drei Metern zwischen den Boxen zueinander und zwischen Box und Hörer zu gewährleisten (zudem sollte noch ein Abstand von mindestens 1 Meter zwischen Box und Wand liegen).

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3. Kosten: Monitore für Fernfeld sind größer und viel teurer.

Haben Sie eine gute Raumakustik, genug Platz und genug Geld für die teureren Fernfeld-Monitore, so kann das Klangerlebnis jedoch ein ganz anderes, „umgebenderes“ sein.

Beim Nahfeld-Monitoring ist der Abstand zu den Boxen so gering, dass fast nur der Direktschall zu hören ist – das Signal trifft zum Großteil direkt beim Hörer ein, ohne dass es zuvor auf Wände oder Objekte des Raums trifft und von dort aus erst Richtung Hörer reflektiert wird. Die Raumakustik hat also wenig Einfluss auf den Klang. Konkret empfehle ich Ihnen einen Abstand von 1 bis maximal 1,5 Meter zwischen den Boxen zueinander und bis zu Ihrer Abhörposition. Platzmangel sollte hier also ebenso wenig ein Problem sein, zudem sind Nahfeld-Monitore natürlich günstiger.

Um trotzdem einschätzen zu können, wie Ihre Produktion später in der typischen Wohnzimmer-Situation klingen wird, können Sie einfach den Selbsttest machen: Sobald Sie eine erste Version Ihres Mix fertig haben, hören Sie diese einfach von Ihrer Couch im Wohnzimmer, bei einigen Metern Entfernung zu den Boxen, ab.

Neumann KH310 Monitore
Die Neumann KH310 sind riesig, können aber für Nahfeld verwendet werden, weil die drei Chassis auf einer Höhe beieinander liegen.

Beim Nahfeld-Monitoring nutzen Sie am besten Zwei-Weg-Boxen. Große Drei-Weg-Boxen sollten nicht verwendet werden, da diese einen zu großen Abstand zwischen den einzelnen Lautsprechern/Chassis (Tief-, Mittel- und Hochtöner) aufweisen. Kurz gesagt: Bei einer etwa einen Meter hohen Box ist es nicht möglich, diese bei geringem Abstand so aufzustellen, dass man von allen drei Lautsprechern gleichermaßen direkt beschallt wird – einer der Lautsprecher wird immer lauter zu hören sein als die anderen, da diese mehr oder weniger an einem vorbeischallen.

Eine Ausnahme stellen neuartige Drei-Weg-Monitore wie die Event 20/30 bas dar oder die Neumann KH 310. Hier sind die drei Chassis überaus kompakt, horizontal auf engstem Raum, untergebracht. Eine gleichmäßige Beschallung ist so, trotz dreier Lautsprecher, auch bei geringem Hörabstand möglich.

Aktive und passive Monitore

Bei Monitoren unterscheidet man zwischen aktiv und passiv.

Bei passiven Monitoren benötigen Sie eine zusätzliche Endstufe, sprich einen Verstärker, an den die Monitore angeschlossen werden. Sie verbinden dann den Monitor-Ausgang der Soundkarte bzw. des Mischpults mit dem Verstärker, an welchen wiederum die Monitor-Boxen angeschlossen werden. Generell lassen sich auch HiFi-Verstärker nutzen, wobei von einer ggf. vorhandenen Klangregelung dann natürlich kein Gebrauch gemacht werden sollte. Die Klangregelung ist demnach auszuschalten bzw. die Regler des Equalizers sollten alle auf 0 dB stehen. Zu beachten ist außerdem, dass der Innenwiderstand (Impedanz) des Lautsprechers nicht niedriger sein sollte als die vom Verstärker minimal benötigte Impedanz. Weist der Lautsprecher eine Impedanz von bspw. 4 Ohm auf, vom Verstärker wird jedoch eine Mindestimpedanz von 8 Ohm benötigt, so kann der Verstärker beschädigt werden. Ideal wäre ein Verhältnis von 1:1 (z.B. jeweils 4 Ohm).

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Bei aktiven Monitoren ist die Endstufe bereits im Boxen-Gehäuse verbaut. Zwar sind diese dadurch teurer, jedoch wird keine externe Endstufe mehr benötigt. Außerdem sind Monitor und Endstufe optimal aufeinander abgestimmt, wodurch klanglich ein bestmögliches Ergebnis erreicht wird. Aktiv-Monitore werden direkt mit den Ausgängen der Soundkarte bzw. des Mischpults verbunden.


Fazit

Sie wissen nun, warum Tontechniker Monitore gegenüber normalen Boxen vorziehen, welche Klang-Merkmale sie aufweisen (sollten), was Fernfeld- und Nahfeld bedeutet, und warum ich Aktiv-Monitore empfehle.

Im nächsten Teil finden Sie praktische und leicht umsetzbare Tipps für den Monitor-Neukauf sowie konkrete Empfehlungen von Monitor-Modellen!

Jetzt zweiten Teil lesen!

David

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