Der Weg zum großen Tonstudio

Der Weg zum großen Tonstudio

Großes TonstudioAuf Anfrage eines Lesers beschäftigen wir uns heute mit dem Aufbau eines großen Studios bzw. generell damit, wie man den Schritt vom Homerecorder zum hauptberuflichen Studiobetreiber/Tontechniker schafft.

Hierzu haben wir mit Peer Hahnefeld gesprochen. Er betreibt das Online-Mixing Tonstudio in Leipzig und kann auf zahlreiche nationale sowie internationale Chartplatzierungen, bis hin zur Nummer 1, zurückblicken.

In dem Gespräch geht es unter anderem darum, wie wichtig das Equipment wirklich ist und welche Jobs es für Tontechniker gibt…


mixingundmastering.de: Hallo Peer! Erzähl mal: wie bist Du zur Tontechnik gekommen?

Peer: Hi David, ich habe ganz klassisch, wie wahrscheinlich alle Kollegen in der Branche, früher selbst Musik gemacht und dann festgestellt, dass mir die technische Seite hinter den Reglern besser liegt.

mixingundmastering.de: Wie hat es angefangen, dass Du mit Tontechnik Geld verdient hast?

Peer: Der Übergang zwischen Hobby und Beruf ist ja fließend, den gewerblichen Tonstudiobetrieb führe ich seit 2007.

Großes Studio hauptberuflich betreiben
Das Online-Mixing-Tonstudio beindruckt natürlich, auch Peer ist jedoch der Meinung, dass der grundlegende Unterschied zwischen zwei Studios nicht das Equipment, sondern der Engineer ist.

mixingundmastering.de: Weißt Du noch, welche Geräte die ersten waren, die Du Dir zugelegt hast?

Peer: Vor circa 15 Jahren waren die ersten Anschaffungen der Magix Music Maker und ein dynamisches Mikrofon im Elektrofachhandel. Im Laufe der Zeit wurde die Technik und Software dann immer hochwertiger. Die ersten professionelleren Studiomonitore waren vor rund 10 Jahren die Adam P11A’s, damit wurden meine Mixe schon deutlich besser.

mixingundmastering.de: Manche meinen, ihre Fähigkeiten nur über das vorhandene Equipment definieren zu können. Wie wichtig ist das Equipment wirklich?

Peer: Die verwendete Technik spielt natürlich eine Rolle. Mir ist das ganze Gerede über Equipment in der Branche aber oft selbst zu viel. Ich sehe z.B. große Ähnlichkeit in der Arbeit von Fotografen und Engineers. Das ist zum Teil natürlich eine technische Tätigkeit, zu herausragenden Ergebnissen gehört aber wesentlich mehr, es geht schließlich darum Emotionen zu vermitteln. Während viele Fotografen auf ihren Homepages keinerlei Angaben über die verwendete Technik machen ist es in der Musikszene jedoch oft so als würde man durch die gekaufte Technik seine Kompetenz definieren – was natürlich völliger Unsinn ist. Die ganzen vorhandenen Geräte sind am Ende des Tages nur Werkzeuge, der Hauptunterschied zwischen verschiedenen Studios ist der Engineer.

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mixingundmastering.de: Das hätte ich nicht besser sagen können! Du bist bekannt dafür, auch Analogtechnik einzusetzen. Würdest Du analoge Geräte, auch heute noch, als essenziell bezeichnen?

Peer: Meine Arbeitsweise ist ja hybrid, ich nutze sowohl digitale als auch analoge Technik. Beim Mixing arbeite ich komplett in the box (Anm. Red.: im Rechner), zu 95% mit den DSP-Karten der Firma Universal Audio. Für das Mastering setze ich generell auch Hardware ein. Im Mixingbereich hat man, dank des digitalen Workflows, enorme Möglichkeiten. Allein das gesamte Routing ist der Wahnsinn – parallele Bearbeitungsmöglichkeiten ohne Ende und eine extrem detaillierte Tiefenstaffelung mit sehr vielen Effektwegen sind kein Problem mehr! Auch die digitalen, dynamischen Equalizer sind auf einem sehr hohen Level und im Arbeitsalltag für mich unersetzlich.

Peer Hahnefeld
Peer war an vielen Projekten beteiligt, die in den deutschen sowie internationalen Charts erfolgreich waren. Auch konnte er seine Studiowand bereits mit „Gold“ schmücken.

mixingundmastering.de: Du hast bereits mit vielen Stars zusammengearbeitet, u.a. mit Cassandra Steen, Curse, Kool Savas, um nur einige zu nennen. Wie wichtig sind solche Referenzen?

Peer: Ich denke, es ist hilfreich, überbewerten sollte man das Ganze jedoch auch nicht. Wie Produktionen ankommen, kann man vor Veröffentlichung immer schlecht einschätzen, manchmal arbeitet man an Projekten, bei denen man im Vorfeld davon ausgeht, dass sie aus kommerzieller Sicht richtig gut laufen werden und dann passiert nicht viel, und bei anderen Projekten ist das genaue Gegenteil der Fall.

mixingundmastering.de: Wer war der erste bekannte Künstler, mit dem Du gearbeitet hast, und wie ist der Kontakt zustande gekommen?

Peer: Das ist eine Fangfrage, „bekannt“ ist ja sehr relativ. Ich glaube, darauf sollte ich keine Antwort geben, nicht, dass ich jemandem auf die Füße trete… Es ist bei Projekten immer ganz unterschiedlich, wie der Kontakt zustande kommt, mal über die Künstler selbst, mal über die Produzenten, mal über die Labels oder Vertriebe.

mixingundmastering.de: Seit die betrieblichen Ausbildungen rar geworden sind, sehen viele die Selbständigkeit als den einzigen Weg in der Tontechnik. Wie siehst Du die Chancen als Angestellter und Selbständiger?

Peer: In meinem Bekanntenkreis sind neben Freiberuflern auch viele Leute, die ganz normale Jobs auf angestellter Basis in der Medienbranche haben. Oft nur nicht unbedingt im Musikmarkt. Es gibt ja viele Bereiche im tontechnischen Sektor – z.B. Theater, Live-Beschallung, Radio, Fernsehen, Film, Werbung, Hörbücher etc.. Da muss jeder selbst entscheiden, welchen Weg er gehen will. Die eigenen Lebensvorstellungen spielen da auch eine sehr wichtige Rolle – wie wichtig sind einem Familie, geregelte Arbeitszeiten, geregeltes Einkommen etc.

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mixingundmastering.de: Welche Tipps hast Du generell für Homerecorder, die den Schritt ins Profigeschäft schaffen wollen?

Peer: Das lässt sich schwer verallgemeinern und ist sicherlich von Fall zu Fall verschieden.

mixingundmastering.de: Wie wichtig ist die Vermarktung über das Internet? Werden konventionelle Vertriebswege heutzutage eventuell vernachlässigt?

Peer: Sehr komplexes Thema. Das Internet spielt auf jeden Fall eine sehr große Rolle!

mixingundmastering.de: Vielen Dank für das Gespräch, Peer!

Mehr über Peer Hahnefeld finden Sie auf seiner Website, www.online-mixing.de!


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David

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