Akustikmodule Grundlagen 1 – Absorber

Akustikmodule Grundlagen 1 – Absorber

Akustikmodule Grundlagen 1 – Absorber
akustikmodule-raumakustik
Dieser Artikel beschreibt, wie Sie Ihre Raumakustik anhand von Akustikmodulen optimieren, sei es zu Zwecken eines hochwertigen Aufnahmeraums, einer Tonstudioregie, Heimkino, HiFi, etc.

Es gibt diverse Module zur Optimierung der Raumakustik. In diesem Dschungel kann man schnell mal den Überblick verlieren. Wofür werden Akustikmodule eingesetzt? Welche Module brauchen Sie wirklich? Brauchen Sie überhaupt welche? In diesem Artikel gehen wir auf die Grundlagen zur gezielten Verbesserung Ihrer Raumakustik anhand von bestimmten Akustikmodulen ein, sei es für Aufnahmeräume, Tonstudioregies oder Heimkino…


Was tun Akustikmodule?

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Akustikmodulen, jene, die Schall gezielt streuen (Diffusoren) sowie jene, die den Schall schlucken (Absorber). In diesem Artikel werden die Schall schluckenden (porösen) Absorber behandelt. Doch wozu sind Akustikmodule überhaupt notwendig?

Auf der Abbildung sehen Sie einen Raum mit einer Schallquelle und einem Hörer. Der Schall breitet sich in alle Richtungen aus und trifft dabei auf sämtliche Objekte und Begrenzungen des Raums – also vor allem Wände, Boden und Decke. Es entstehen zahllose einzelne Echos (bis zu 50.000 pro Sekunde!), die jeweils unterschiedliche Wege von der Schallquelle bis zum Hörer zurücklegen. Ein Raum bietet praktisch unendlich viele solcher Schallwege. Dabei werden einige Schallwellen auf unmittelbaren Weg zum Hörer gelangen. Hierbei handelt es sich um den Direktschall, also praktisch um das eigentliche Originalsignal.

Raumakustik
Abbildung aus dem Praxis-Leitfaden EFFEKTE

Leider mischt sich dieser Direktschall aber stark mit dem Hallanteil (bestehend aus frühen Reflexionen und Diffusschal, mehr hierzu ist bei Bedarf dem Praxis-Leitfaden EFFEKTE zu entnehmen).

Nun gilt es, diesen Hallanteil zu reduzieren. Er stört und verwäscht das eigentliche Direktsignal. Doch wie reduzieren Sie den Hallanteil?


Die Beschaffenheit des Raumes ist sehr wichtig

Der wichtigste Faktor zur Bekämpfung von lästigem Raumhall ist die Beschaffenheit der Raumbegrenzungen und Objekte. Sind diese aus harten Materialien – Beton, Glas, Marmor, etc. – wird der Schall kaum gedämpft und reflektiert fast vollständig. Bei weichen Materialien hingegen, wie Teppichen, Couch oder Vorhängen, wird ein großer Teil des Schalls einfach absorbiert, sprich geschluckt. Genau das gleiche tun die meisten Akustikmodule – sie schlucken den Schall! Sie können demnach gezielt und ergänzend zum bereits vorhandenen Mobiliar eingesetzt werden, um noch mehr Schall zu absorbieren.

Browne Raumakustik Module


Welche Akustik-Module brauchen Sie?

Wie gesagt, es gibt wirklich sehr viele. Außer Acht lassen können Sie, in meinen Augen, generell alle Module, die nur Höhen absorbieren. In einem gewöhnlichen (Wohn-)Raum werden ohnehin bereits genug Höhen absorbiert, da Teppiche, Tapeten usw. allesamt Höhen schlucken. Setzen Sie jetzt auch noch Höhenabsorber wie dünnen Schaumstoff ein, kommt es bloß zu einem unausgewogenen Raumklang, weil dann wirklich alle Höhen ausgelöscht sind, während Mitten und Bässe aber weiterhin vollständig erhalten sind. Warum werden die nicht geschluckt? Ganz einfach: Weil sie nur von dick


erem Material absorbiert werden!


Sie brauchen Breitband Absorber

Es ist wirklich so einfach: Ist ein Material zu dünn, schluckt es nur Höhen. Ist es dicker, schluckt es auch tiefere Frequenzen.

plattenabsorber-breitband-absorber
Ein Breitbandabsorber, der 15cm dick ist und Frequenzen bis etwa 150 Hz runter absorbiert. Kostenpunkt: rund 150 Euro für das 100x50cm große Modul.

Demnach sind für Sie, als jemanden, der seine Raumakustik verbessern möchte, nur sogenannte Breitband Absorber interessant, welche eine Dicke von mindestens 14cm aufweisen. Erst ab diesem Wert findet eine ausreichend breitbandige Absorption statt. Mit dünneren Absorbern (von denen es unglaublich viele auf dem Markt gibt) verschlimmbessern Sie die Angelegenheit nur, da ist es sogar besser, Sie verzichten ganz auf Akustikmodule. Wenn, dann halt richtig!


Ziel bei der Optimierung der Raumakustik

Das Ziel bei der Verbesserung der Raumakustik darf demzufolge niemals die Absorption allein sein, sondern stets die gleichmäßige Absorption über das gesamte Frequenzspektrum!


Welche Module Sie nicht zwingend brauchen

Wie gesagt, alle Module, die einfach zu dünn sind, bringen Ihnen herzlich wenig – es sei denn, Sie haben spezifische Probleme mit dem Höhenbereich. Das ist aber, aufgrund der typischen Beschaffenheit eines fast jeden Raumes, wirklich selten der Fall.

Zu den Modulen, die Sie in der Regel nicht brauchen, gehören alle porösen Absorber mit einer Dicke von weniger als 10 bis 14cm, etwa Pyramidenschaumstoff, zu dünner Basotect-Schaumstoff, spezielle Akustikvorhänge (eher für Schallschutz interessant), zu dünne Platten- und Breitbandabsorber (Module, die sich „Breitbandabsorber“ nennen, jedoch dünner als der angegebene Wert sind, dürften sich eigentlich nicht „Breitband“ nennen…).


Meine empfohlenen Akustikmodule

Am effektivsten und einfachsten ist folgende Kombination: „echte“ Breitband Absorber (mit einer Dicke von mindestens 14cm) gepaart mit sogenannten Bassfallen.

breitband absorber
Die Browne Breitband Absorber sind auf die professionelle Anwendung ausgelegt, wobei sie in einfarbiger Stoffbespannung oder alternativ mit einem individuellem Bild erhältlich sind.

 

14cm dicke poröse Absorber haben ein Wirkungsspektrum bis ca. 150 Hz runter!

Was ist mit den Frequenzen unterhalb 200 Hz? Genau hier kommen ergänzend die Bassfallen zum Einsatz! Diese haben (je nach Dicke) einen Wirkungsbereich bis weit unter 100 Hz!

Achten Sie darauf, Bassfallen zu kaufen, die wenigstens 40cm dick sind, besser 50! Sonst werden die tiefsten Frequenzen unter 80 Hz nicht, oder nur unzureichend, absorbiert!

bassfalle-kantenabsorber
Typische, zu kleine Bassfalle aus Basotect. Die Form ist so ausgerichtet, dass das Modul optimal in einer Raumecke angebracht werden kann.

Bringen Sie die Bassfallen dann in den Raumecken an, da tieffrequenter Hall sich vorwiegend ebendort tummelt!


Die Akustikmodule in der Praxis

Für die Praxis bedeutet das zusammengefasst: In allen (vier) Raumecken Bassfallen anbringen und ca. 20% bis 50% der Wand-/Deckenflächen mit Breitband Absorbern (14cm dick) auskleiden!

Beides zusammengenommen sorgt für eine äußerst lineare Absorption des Schalls über das gesamte Frequenzspektzrum!


Kann ich auch auf Akustikmodule verzichten?

Generell gilt: Je weniger weiche und poröse Oberflächen es in Ihrem Raum gibt, desto mehr profitieren Sie von hochwertigen Akustikmodulen.

Haben Sie bereits sehr viele Möbel, wie Vorhänge, dicke Teppiche, Stühle mit Sitzpolstern, Decken, Leinwände und eine opulente Couch, so reichen Ihnen vielleicht schon zwei bis vier Bassfallen, um einfach ergänzend noch die tiefsten Frequenzen zu absorbieren. Diese werden nämlich von den wenigsten Materialien/Möbeln geschluckt und bereiten somit in den allermeisten Fällen die größten Schwierigkeiten.

Browne Breitband Absorber Raumakustik

Natürlich ist es auch eine Frage des Anspruchs. Für einen ambitionierten Homerecorder halte ich die Investition in hochwertige Akustikmodule jedoch für eine ausgesprochen gute. Zumal in meinen Augen teilweise zuviel Geld für Equipment ausgegeben wird und zu wenig für gute Akustik, die letztlich aber bei allem das A und O ist.


Fazit

Sie wissen nun, wozu Akustikmodule eingesetzt werden und welche Module ich konkret empfehle. Außerdem wissen Sie, worauf Sie beim Kauf dieser Module achten sollten – Breitband Absorber sollten nicht dünner als 14cm sein und Bassfallen nicht dünner als 40cm!

Nachtrag: Mit meinem Unternehmen Browne Akustik biete ich inzwischen entsprechende Produkte. Die Gründung erfolgte schlichtweg deswegen, weil es in meinen Augen keine 100% zufriedenstellenden Lösungen auf dem Raumakustik Markt gab. Gern können Sie sich auf der Website mal umsehen: www.browneakustik.de.

Im zweiten Teil der „Akustikmodule – Grundlagen“ geht es um Diffusoren – jetzt lesen!

David

3 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.